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Pressemitteilungen > VVV-Ebbelwoiprobe 2012

25.06.2012

48 Eingeplackte küren Langener Ebbelwoikönig

Der Langener Wettbewerb und das Zeremoniell sind einmalig in Südhessen, wenn nicht gar in Deutschland. Ein Verein, der Verkehrs- und Ver­schö­ner­ungs­verein (VVV) Langen, fordert alle Hobby-Obstbauern und Kelterer im Städt­chen auf, Proben ihres Könnens – sprich: zwei Flaschen selbst­ge­mach­ten Apfelweins – beim Brunnenwirt, der Symbolfigur und Moderator eines der populärsten hessischen Volksfeste im Lande – des vom VVV ver­an­stal­tet­en Langener Ebbelwoifests – abzugeben. Und sich damit dem Wett­be­werb um die Krone des Ebbelwoikönigs/der Königin zu stellen.

Die Krönung seiner Majestät und dreier Prinzen/Prinzessinnen steigt dann vor großem Publikum – während der Ebbelwoidaaf am Vier­röhren­bru­nnen. So ist es Brauch in Langen seit 1975. Seitdem wird auch die Kür wie folgt praktiziert: Eine Jury aus Ebbelwoirittern – das sind im Prinzip alle ge­daaf­ten Langener – trifft sich an einem Abend (heuer am 19. Juni) im Kasino der Stadtwerke und formiert sich zur Runde der Ebbelwoigeschworenen. Sie verkosten die eingereichten Proben und treffen ihre Wahl. Am 19. Juni 2012 bewerteten 48 zu Geschworenen avancierte Ritter 32 eingereichte Pro­ben – vier mehr als im Vorjahr.

Die Ebbelwoiprobe ähnelt einer klassischen Weinprobe. Die Probierenden bekommen jeweils einige Schlucke des Test-Getränks aus neutralen Fla­schen eingeschenkt, „kauen” und „schlotzen” selbige und spucken dann in einen Sektkübel aus. Zwischen den einzelnen Gängen können die Juroren ihre Geschmacksnerven mit einigen Bissen Laugengebäck wieder auf Null stellen. Bei all dem geht es streng neutral zu. Niemand weiß, wessen Eb­bel­woi er gerade probiert, denn die eingereichten Proben sind nummeriert, und nach diesen Nummern wird abgestimmt, und zwar nach einem ab­ge­stuf­ten arbeitsteiligen Ausscheidungsverfahren.

Bei der Ebbelwoiprobe 2012 wurden die 32 Proben beispielsweise in zwei 16er-Blöcke aufgeteilt, aus der ersten und der zweiten Gruppe die besten vier ermittelt, die dann zur Endrunde „der letzten acht” antraten, aus denen dann die vier Sieger – ein König respektive eine Königin, drei Prinzen/ Prinzessinnen – gekürt wurden. Die Abstimmungen der 46 Geschworenen liefen – wie immer – offen (per Handaufheben). Erst nachdem alle Voten gemacht worden waren und das Endresultat feststand, wurden die Nummern den Namen zugeordnet und der Jury verkündet. Die Ge­schwor­en­en sind zum Stillschweigen verpflichtet – wer die Königswürde erlangt und wer das Prinzen-/ Prinzessinnen-Rennen gemacht hat, verrät der Brun­nen­wirt erst am Ebbelwoifest-Samstag, wenn im Rahmen der Ebbelwoidaaf die Krönung ansteht.

Am Schluss obsiegt aber mitnichten „der beste”. Es gewinnt, so formuliert es Ex-Brunnenwirt Hans Hoffart, der seit Jahr und Tag die Proben mo­de­riert, „derjenige, dessen Ebbelwoi den Probierenden am besten geschmeckt hat und der die meisten Stimmen auf sich vereinigt hat”. Soll heißen: Das sogenannte Sachverständigengremium urteilt mitnichten nach vor­ge­geben­en Standards, fixen überkommenen tradierten Geschmacksregeln oder ir­gend­welch­en DIN-ähnlichen Normen.

Die meisten Geschworenen sind ja auch wahrlich keine Experten im Sinne von gewieften, erfahrenen Schoppepetzern. Das Gros der Juroren hat auch nicht miterlebt, wie Opa oder die Eltern das Stöffche noch selbst gekeltert haben. Denn: Keine(r) ist in Langen geboren – allesamt sind sie Ein­ge­plack­te, stammen aus den unterschiedlichsten Gegenden Deutschlands, wo es teils gar keinen Ebbelwoi gibt. Manche von ihnen haben den Ebbelwoi erst in Langen kennengelernt. So sind also die verschiedensten Ge­schmacks­vor­stel­lungen vorhanden. Der eine schätzt den herben (beim Wein „trockenen”) Trunk, andere lieben es „säuerlicher” oder präferieren milde, liebliche, mitunter süßliche Sorten, wieder andere favorisieren Stöffche „mit Beigeschmack” bei denen die Kelterer den Woi mit Quitten oder Mostbirnen anzureichern und zu veredeln suchen. Ein nicht seltenes Kri­ter­ium der allesamt zugereisten Juroren: „Ich stelle mir einen heißen Son­nen­tag vor und wünsche mir einen erfrischenden Ebbelwoi-Trunk. Taugt der, den ich gerade probiere, dazu?”

Peter Holle (VVV-Beiratsmitglied)
Verkehrs- und Verschönerungsverein 1877 Langen e.V.
info@vvv-langen.de





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